Der Gerolsteiner Felsenpfad

Urlaub. Sonne. Strand und Meer.
So sahen meine Urlaube normalerweise aus. Denn groß geworden bin ich mit dem Strandsand zwischen den Zehen. Ein Urlaub ohne Meer und Möwen? Geht doch gar nicht. Dachte ich zumindest bis vor kurzem.

Ab in die Berge

hieß es dann für mich. Und nach einigen Zweifeln, ob das wirklich Urlaub für mich werden sollte, haben wir uns eine Unterkunft gebucht und Wanderkarten besorgt. Unser Ziel: Gerolstein. Mein Freund hatte hier bereits einige Urlaube verbracht und kennt die Region in und auswendig. Für mich dagegen war es der erste richtige Wanderurlaub in den Bergen. Ich hatte überhaupt keine Vorstellungen, wie so eine Wanderung abläuft und hoffte einfach, nicht im Wald verloren zu gehen.

Panik auf der Munterley

Mit der Bahn ging es dann nach Gerolstein und schon der Weg vom Bahnhof zum Ferienhaus forderte mich heraus. So ging es direkt ordentlich bergauf und wer hätte es gedacht, ich hatte schon direkt keine Lust mehr. Dass dieser Urlaub mir aber viele unvergessliche Momente schenken sollte, habe ich bis dato noch nicht geahnt. Und einer dieser Momente kam prompt am nächsten Tag, als ich die Möglichkeit hatte, meinen inneren Angsthasen heraus zu fordern. Dank meiner Angststörung wurde bereits der erste Aufstieg tränenreich und ich musste mich ordentlich pushen, um mich die Munterley hoch zu arbeiten. Der Gedanke, dass ja etwas passieren könnte und niemand mich retten kann, oder wir im Wald verloren gehen und wilde Bären uns auffressen war das Einzige, worüber ich noch nachdenken konnte und dementsprechend begann die erste Wanderung eher mühsam. Doch das sollte sich bald ändern.
Nachdem wir auf dem ersten Plateau auf der Munterley ankamen, fiel alle Anspannung ab und nach einer kurzen Pause mit dicken Tränen, konnte ich meine Angst so langsam hinter mir lassen und einen ersten wundervollen Ausblick auf Gerolstein genießen.

Nicht nur der Ausblick war atemberaubend, auch die Tatsache, dass die Munterley, wie viele Gebirge hier in der Region, aus einem Kalkriff entstanden ist. Vor etwa 380 Millionen Jahren. Wer könnte da nicht komplett seine Ängste vergessen, wenn man in den Überbleibseln eines tropischen Flachmeeres steht?
Einen Müsliriegel, ein wenig Apfelschorle und 3 Taschentücher später ging es dann direkt weiter, weiter in den Wald. Denn das war ja erst der Anfang.

Von Steinzeithöhle zum Vulkankrater

Nächste Station: Buchenlochhöhle! Diese massive Höhle diente bereits nachweislich den Neandertalern als Unterschlupf und Funde von Mammutknochen, Höhlenbär oder Ren sind nur einige Anzeichen von menschlichem Leben vor vielen Jahren. Über eine Holzleiter ist die Höhle zugänglich und wurde sogleich von uns in Beschlag genommen.


Nach der ersten Exkursion in die Vergangenheit geht es weiter durch Wald und Feld und 2km später stehen wir vor einer riesigen Senke. Am Rande eines Vulkankraters. Der Papenkaule liegt direkt zu unseren Füßen und unter all dem Gras und wilden Blumen verbirgt sich ein alter Vulkan, der vor etwa 10.000 Jahren ausgebrochen ist. Jedoch nicht auf die Art und Weise, wie man vermutet, nein. Hier hat sich die Magma einen seitlichen Ausweg gesucht und strömte durch unterirdische Höhlensysteme seitlich ins Kylltal. Was übrig blieb ist der „Papenkaule“. Weiter gehts.

PapenkauleUnter wilden Wölfen

Nach einer weiteren Pause mit wunderbarem Ausblick ging es dann weiter auf dem „Gerolsteiner Felsenpfad“. Nächster Halt: Kasselburg. Nach weiten Feldern und einigen Schafen erreichten wir die Burgruine der Kasselburg, in der sich heute der Adler- und Wolfspark befindet. Von Weitem können wir bereits den 40m hohen Doppelturm erkennen und ich freue mich über diese willkommene Pause und einen Kaffee. In der Kasselburg fanden wir nicht nur etwas zu trinken und ein warmes Mittagessen, sondern konnten uns eine beeindruckende Greifvogelschau ansehen, mit dem wohl größten Geier, den meine trockenen Augen je gesehen haben. Nach diesem gelungenen Empfang wandern wir durch die Ruinen der alten Burg und entdecken das 10ha große Gehege des größten Wolfrudels Westeuropas. Hier leben Wölfe weitgehend wild und ohne unnötige Eingriffe durch Menschenhand. Als wir das Rudel von einem Stand aus beobachten können, ist schnell zu erkennen wer dort Alpha- und Omegatier ist und mein Mitleid strömt in Fluten zu dem wüst zerrupften Wolf, der als Letzter etwas vom Essen abbekommt. Aber so ist das Leben im Wolfsrudel. Irgendwo in einer Höhle sollen Wolfswelpen sein, die wir natürlich nicht zu Gesicht bekommen. Vielleicht beim nächsten Besuch, wenn auch Sie durch die großen Gehege wandern. Auch weiße Wölfe konnten wir in den riesigen Gehegen entdecken. Ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an meine Kamera, die bereits den Geist/Akku aufgegeben hat. Ohne Bilder aber mit vielen tollen Erinnerungen ging es dann zurück auf die Wanderwege und zurück nach Gerolstein.

Was für ein toller Tag. Mit all den Eindrücken des Tages wanderten wir also wieder nach hause und als hätte es nicht besser passen können, fängt es an zu regnen nachdem wir unser sicheres Ferienhäuschen erreicht haben. Das nenne ich Wandererglück. Als ich nach ~8 Stunden auf und ab, Höhlen, Vulkanen und wilden Wölfen meine Wanderschuhe von den Füßen ziehe wird mir außerdem eines schlagartig klar. Ich habe es geschafft eine Panikattacke der feinsten Sorte zu „überleben“. Nachdem ich ja fast 30 Minuten nach Wanderstart bereits aufgeben wollte, kamen wir nach 8 Stunden zurück. Im Gepäck viele tolle Erinnerungen und Momente, die ich erleben durfte. Und ein Urlaub am Meer? Langweilig! Zumindest nicht mehr jedes Jahr notwendig. Denn mich hat das Wanderfieber gepackt! Und es gibt noch viel zu sehen in der Eifel, denn nicht jeden Gipfel rund um Gerolstein konnten wir in der Woche erklimmen.

„Des Wanderns Lust ist, dass man die Zwecklosigkeit genießt. Genüge im eigenen Selbst zu finden, das ist des Wanderns höchste Stufe.“ Lieh Tse

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